Glaukom (grüner Star)

Beim grünen Star oder Glaukom ist der Sehnerv geschädigt. Unbehandelt kann das Auge erblinden. Mehr zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapie

Was ist ein Glaukom?
Glaukom oder grüner Star bezeichnet verschiedene Augenerkrankungen, die zur Steigerung des Augeninnendrucks führen. Oft bleiben diese lange Zeit unerkannt, jedoch wird der Sehnerv geschädigt und mit der Zeit verschlechtert sich das Sehvermögen. Schlimmstenfalls erblindet das Auge. Rechtzeitige Behandlung kann die Sehkraft erhalten.

Ursachen und Arten von Glaukomen
Die mit Abstand häufigste Ursache eines Glaukoms ist ein erhöhter Augeninnendruck. Meistens handelt es sich um ein Glaukom bei offenem Kammerwinkel im Auge, daher auch als Offenwinkelglaukom bezeichnet.
Hauptrisikofaktoren des Offenwinkelglaukoms sind Glaukome bei Verwandten ersten Grades, ein Alter über sechzig Jahre und Fehlsichtigkeit wie Kurz- oder Weitsichtigkeit.

Eine besondere Form ist das sogenannte Normal- oder Niederdruckglaukom. Hier sind Schäden am Sehnerv eingetreten, obwohl der Augeninnendruck im Normalbereich von 10 bis 21 mmHg liegt. Die betroffenen Augen reagieren empfindlicher auf den „Normaldruck“.

Glaukome, die spontan, ohne weitere bekannte Ursache auftreten, werden primäre Glaukome genannt.
Dazu gehören neben den häufigen Offenwinkel- auch die selteneren Engwinkelglaukome. Der Name verweist ebenfalls auf die Struktur im Auge, die maßgeblich die Zirkulation des sogenannten Kammerwassers beeinflusst: den sogenannten Kammerwinkel. 

Das Kammerwasser baut den Augeninnendruck auf. Ist der Abfluss des Kammerwassers durch Veränderungen im Kammerwinkel behindert, steigt der Augeninnendruck – langfristig kann sich ein Glaukom entwickeln. Allerdings ist der erhöhte Druck, wie bereits angedeutet, nicht die einzige Ursache. Auch eine verminderte Durchblutung des Sehnervs spielt eine Rolle.

Wird ein zu eng angelegter Kammerwinkel plötzlich blockiert, kommt es zum akuten Winkelblock („Glaukomanfall“) – eine Sonderform des Engwinkelglaukoms. Selten liegt ein chronisches Engwinkelglaukom mit Abflussstörung des Kammerwassers vor, ähnlich wie bei einem Offenwinkelglaukom.

Tritt ein Glaukom infolge einer anderen Erkrankung oder Verletzung des Auges oder im Rahmen einer Allgemeinerkrankung auf, liegt ein sekundäres Glaukom vor.
Die häufigste Form aller sekundären Glaukome stellt das Kapselhäutchen- oder Pseudoexfoliationsglaukom (PEX-Glaukom) dar. Dabei lagern sich feinste Eiweißpartikel auf allen Strukturen des vorderen Augenabschnittes ab, so auch der Linse und dem Pupillenrand. Zugrunde liegt eine erbliche Störung der faserigen Elemente des Bindegewebes. Da ein PEX-Glaukom rasch fortschreiten kann, kommt es ganz entscheidend auf die frühzeitige Diagnose und Behandlung an. Dann lässt sich das Krankheitsbild auch häufig zufriedenstellend in den Griff bekommen.

Welche Symptome treten bei einem Glaukom auf?
Ein Glaukom entsteht meist schleichend und bleibt lange Zeit unbemerkt. Wenn sich die Schädigung des Sehnervs bemerkbar macht, ist die Erkrankung bereits weiter fortgeschritten. Häufig kommt es zu einer Sehminderung, bei der das Gesichtsfeld bogenförmig von außen eingeengt ist. Das kann zum Beispiel zu Orientierungsproblemen in der Umgebung oder im Straßenverkehr führen. 

Im Endstadium sind aber auch Ausfälle zum zentralen Gesichtsfeld, zur Blickmitte hin, möglich. Von den etwa 10.000 pro Jahr in Deutschland erblindenden Menschen haben etwa 2000 ein Glaukom. Oft erkranken – zeitversetzt – beide Augen.

Engwinkelglaukome können akute Krankheitsbilder mit starken Schmerzen, Rötung und Sehstörungen des betroffenen Auges auslösen. Häufig kommt es auch zu ausgeprägten Begleitsymptomen wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Wegen Erblindungsgefahr ist das immer ein Notfall, der umgehend schulmedizinisch behandelt werden muss.

Früherkennung, Diagnose
Regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen umfassen

  • Einen Sehtest
  • Die Messung des Augeninnendrucks (Tonometrie)
  • Die Beurteilung des Sehnervs (Funduskopie): Mittels Diagnose des Augenhintergrunds durch die Pupille hindurch kann der Augenarzt den Sehnervenkopf beurteilen

Glaukom (grüner Star): Symptome
Wenn sich ein Glaukom erstmals bemerkbar macht, ist es schon fortgeschritten. Die Therapie kann Schlimmeres verhüten
Glaukom – die schleichende Gefahr
Lange Zeit fehlende Beschwerden sind der Hauptgrund dafür, dass ein Glaukom – und hier ist insbesondere das primäre Offenwinkel-Glaukom gemeint oft erst spät erkannt wird.
Der Arzt kann sich dann nur noch darum bemühen, ein Fortschreiten zu verhindern.

Typisches Zeichen des Glaukomschadens ist eine Sehstörung, bei der das Gesichtsfeld von außen eingeengt ist. Es sind aber auch Ausfälle zur Blickmitte hin möglich. Unbehandelt kann es zum vollständigen Sehverlust kommen.

Glaukomanfall: Auge in Not
Ein akutes Winkelblockglaukom, wie ein Glaukomanfall auch genannt wird, ist immer eine Notfallsituation, denn es droht der Verlust des Augenlichtes. Das Auge, oft auch der ganze Kopf, schmerzt heftig; der Augapfel ist extrem hart, das Auge gerötet. Infolge des stark erhöhten Augeninnendrucks schwillt die Hornhaut an. Dadurch nehmen die Betroffenen Schleier oder regenbogenartige Ringe um Lichtquellen wahr.
Meist fühlen sie sich äußerst unwohl, es kommt zu Übelkeit, Brechreiz. Der Druck im Auge übersteigt oft 60 mmHg.
Bei diesen ausgeprägten Beschwerden sollten Sie sofort schulmedizinische Hilfe in Anspruch nehmen.

Sekundäres Glaukom
Die Beschwerden bei dieser Form des Glaukoms hängen prinzipiell von der zugrunde liegenden Augenerkrankung ab. Zu erwarten ist, dass die jeweiligen Symptome im Vordergrund stehen und bereits Anlass für eine Behandlung beim Augenarzt sind – allemal bei Verletzungen, aber auch bei Entzündungen, Verschlüssen oder Neubildungen der Netzhautgefäße und bösartigen Geschwülsten des Auges. All diese Probleme können unter anderem auch den Abfluss des Kammerwassers behindern, den Augeninnendruck erhöhen und ein Glaukom verursachen.
Dass sich ein solches sekundäres Glaukom ähnlich wie ein primäres entwickeln kann, nämlich schleichend, ist nicht ungewöhnlich. Es ist durchaus möglich, dass ein Patient zunächst überhaupt keine Symptome hat – weder spürt er sein beginnendes Glaukom, noch merkt er etwas von der Grunderkrankung, zum Beispiel ersten Schäden der Netzhautgefäße bei Diabetes (Diabetes Typ 1, Diabetes Typ 2). Der Augenarzt wird aber das mögliche Glaukom- und Gefäßrisiko eines Patienten im Blick haben und ihn oder sie diesbezüglich regelmäßig kontrollieren.

Glaukom (grüner Star): Ursachen und Risikofaktoren
Viele Faktoren setzen Augen „unter Druck“. Daraus leitet sich die Einteilung des Glaukoms in verschiedene Formen ab

Glaukom: Immer leidet der Sehnerv
Der grüne Star oder das Glaukom beruht auf verschiedenen Ursachen. Daher ist die Bezeichnung „Glaukom“ ein Überbegriff für unterschiedliche Formen des grünen Stars. 

Ihnen gemeinsam ist, dass häufig ein erhöhter Augeninnendruck und / oder eine Durchblutungsstörung des Sehnervs vorliegt. In der Folge werden Nervenfasern des Sehnervs unwiederbringlich geschädigt. Häufig sind beide Augen betroffen, aber zeitversetzt. Ein Glaukom ist nicht schmerzhaft, den eher seltenen Glaukomanfall ausgenommen. Ausfälle im Gesichtsfeld (Skotome) machen sich vielfach erst spät bemerkbar. In der westlichen
Maßgeblich: Der Kammerwinkel im Auge
Große Bedeutung hat der Kammerwinkel im Auge, durch den das Kammerwasser abfließt. Es ernährt die Augenlinse und Hornhaut. Von der Hinterkammer aus – dem Bereich hinter der Regenbogenhaut – umfließt und benetzt das Kammerwasser die Augenlinse.

Durch die Pupille gelangt es dann in die Vorderkammer des Auges zwischen Regenbogenhaut und Hornhaut. Über das schwammartige Gewebe im Kammerwinkel fließt der größte Teil des Kammerwassers schließlich ab. Das Kammerwasser baut den Augeninnendruck auf, der Abfluss reguliert den Druck.
Ein Glaukom bei offenem Kammerwinkel heißt Weit- oder Offenwinkelglaukom. Das ist bei Weitem die häufigste Glaukomform. Die Erkrankung schreitet langsam voran, und der Augeninnendruck übersteigt bei mehr als 70 Prozent der Betroffenen 21 mmHg. Das Kammerwasser fließt hier trotz eines offenen Kammerwinkels zu langsam ab.
Beim deutlich selteneren Engwinkelglaukom (siehe auch weiter unten) ist der Kammerwinkel zu eng oder verlegt. Solche Glaukome können als akuter Glaukomanfall (Winkelblock) mit einem sehr hohen Augeninnendruck in Erscheinung treten – ein Notfall. Sie können aber auch wiederholt und in abgeschwächter Form Beschwerden bereiten, wobei eine Entgleisung in einen akuten Anfall jederzeit möglich ist. Manche Engwinkelglaukome verlaufen chronisch.

Glaukom: Primär oder sekundär?
Je nachdem, welche Ursachen vorliegen, werden die Glaukom-Erkrankungen in primäre und sekundäre Formen. Anders als sekundäre Glaukome treten primäre Formen spontan, ohne greifbare Ursache auf. Sie entstehen fast immer beidseitig. Oft entwickelt sich das Glaukom am anderen „Partnerauge“ mit zwei bis fünf Jahren Verspätung.
Mit zunehmendem Lebensalter nimmt die Häufigkeit insbesondere des Offenwinkelglaukoms zu. Primäre Glaukome sind überwiegend Offenwinkel-, seltener Engwinkelglaukome.
Risikofaktoren: Primäres Offenwinkelglaukom
Ab 40 Jahren steigt die Häufigkeit des Glaukoms stetig an. Erhöht ist das Risiko auch, wenn schon Eltern oder Geschwister betroffen sind. Ist ein Auge am Glaukom erkrankt, so neigt das andere ebenfalls dazu. Das bedeutet, dass erbliche Faktoren eine Rolle spielen.

Normaldruckglaukom
Ein Teil der an einem Glaukom erkrankten Patienten hat keinen erhöhten Augeninnendruck. Diese Situation wird Normaldruckglaukom genannt. Dass sich hier dennoch eine für das Glaukom typische Schädigung mit einer Vertiefung (Exkavation) am Sehnervenkopf entwickeln kann, mag mit einer instabilen Durchblutung des Sehnervs zusammenhängen.
Augenärzte gehen in diesem Zusammenhang mitunter von einer Regulationsstörung der Gefäße oder einer primären vaskulären Dysregulation (PvD) aus. Sie kann mit einem stark schwankenden Blutdruck einhergehen. Das Sehnervengewebe kann dabei Schaden nehmen. Frauen neigen häufiger zu einer PvD als Männer. Nicht selten reagieren die Betroffenen besonders empfindlich auf verschiedene innere und äußere Reize, die das Herz-Kreislauf-System beeinflussen. Migräne und kalte Hände können Hinweise sein. Es gibt wohl ebenfalls eine erbliche Komponente.

Augenhochdruck (okuläre Hypertension)
Ein Sonderfall ist die okuläre Hypertension, also ein Augendruck über 21 mmHg, ohne dass der Betroffene eine Sehnervenschädigung und / oder Gesichtsfeldeinschränkungen hat.
Einige Risikofaktoren erhöhen jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass sich später ein Glaukom entwickelt. Dazu gehören wiederum familiäre Belastung, also die Tatsache, dass ein Glaukom bei Verwandten ersten Grades aufgetreten ist, außerdem stärkere Fehlsichtigkeit sowie bestimmte Herz-Kreislauf-Erkrankungen, etwa eine Arteriosklerose.

Engwinkelglaukom
Unter anderem erhöht ein kurzer Augapfel (Weitsichtigkeit) das Risiko eines primären Engwinkelglaukoms und eines akuten Glaukomanfalls (akuter Winkelblock).
Auch ein fortgeschrittener grauer Star (fortgeschrittene Linsentrübung, Katarakt) begünstigt bei engem Kammerwinkel einen akuten Winkelblock.
Auslöser eines Glaukomanfalls können plötzliche spontane Pupillenerweiterungen sein, etwa bei Angst, Schreck oder in der Dunkelheit.
Medikamente können bei engem Kammerwinkel ebenfalls einen akuten Glaukomanfall provozieren, beispielsweise bestimmte Antidepressiva, Antihistaminika (Antiallergika) oder Präparate gegen Schwindel, außerdem medikamentöse Pupillenerweiterung.